Digital

Facebook hat keine Zukunft – in meinem Portfolio

Wieso ich meine Facebook-Aktien verkauft habe und was Journalismus damit zu tun hat.

Meine Facebook-Aktien besitze ich, seit der Konzern den Messengerdienst Whatsapp übernommen hat. Das war im Herbst 2014. Damals lag der Preis pro Aktie etwa bei 80 Dollar. Seither ist er stetig gestiegen – nur der Cambridge-Analytica-Fall hat ihn etwas gestoppt. Gekauft habe ich damals, weil Facebook mit der Übernahme von Whatsapp gezeigt hat, dass das Unternehmen mehr sein will, als eine reine Social-Media-Plattform. Dies hat es bereits mit der Übernahme des Virtual-Reality-Spezialisten Oculus angedeutet. Damit hebt sich Facebook von Rivalen wie Snapchat ab, da es eine nachvollziehbare Strategie verfolgt. Als Social-Media-Plattform zieht Facebook immer noch am meisten User an.

Aktive Nutzer in Millionen. Quelle: Statista


Das US-Unternehmen ist damit einer der grössten Data-Brokern der Welt. Facebook macht aus unseren Daten Geld. Dass dies gewisse Fallstricke mit sich bringt zeigte der angesprochene Skandal rund um die Analyse-Firma Cambridge Analytica. Der Firma war es gelungen, mittels eines Tricks, an rund 87 Millionen Facebook-Profilen und deren Daten zu gelangen. Dies hat zu einem Aufschrei in der Gesellschaft geführt und hat dazu veranlasst, dass Cambridge Analytica den Betrieb einstellen musste. Facebook hat angekündigt, mehr für den Datenschutz zu tun.

An der Börse fielen die Facebookpapiere von 185 Dollar auf rund 157 Dollar. Nach nur zwei Monaten hat sich die Aktie aber wieder erholt und ist wieder «bullish» unterwegs. Was hat mich nun veranlasst diese scheinbar soliden Aktien zu veräussern? Der angesprochene Datenskandal hat mir sicherlich zu denken gegeben, doch wäre es naiv gewesen zu glauben, Facebook gehe mit unseren Daten mit der höchst möglichen Sorgfalt um.

Das Problem, das ich bei Facebook sehe, ist seine Dominanz bei der Informationsvermittlung. Als ehemaliger Journalist befasse ich mich interessensgebunden mit neuen möglichen Vertriebskanäle für journalistische Produkte. Die Branche befindet sich in einem massiven strukturellen Wandel: Abozahlen gehen zurück, Werbeeinnahmen brechen weg – die digitale Gesellschaft will für Informationen nichts mehr bezahlen. Wäre dies nicht schon einschneidend genug, spielen Verlage wie Tamedia Monopoly und kaufen munter wichtige Tageszeitungen zusammen, während sie im gleichen Zug Personal entlassen. Die Folge: Einheitsbrei. Dies hat mitunter zur Folge, dass ein Vertrauensverlust in der Gesellschaft gegenüber den Medien erkennbar ist. Der Begriff „Fake News“ ist ein treffendes Beispiel dafür. Was hat das nun mit Facebook zu tun?

 

Es gibt nicht DIE Wahrheit

Facebook sieht sich als digitalen Publisher. Also als eine Art offene Informations-Plattform. Gerade der Begriff ”Fake News“ hängt mit diesem Konzept zusammen. Der Facebook-Algorithmus ist nicht dafür programmiert, Informationen zu verifizieren und bei Unwahrheiten Informationen zu löschen. Dies geschieht in mühseliger Handarbeit. In einem kürzlich veröffentlichten Video zeigt sich Facebook als Freund der Wahrheit. Man versucht zwischen richtigen und falschen Informationen, bzw. zwischen Wahr- und Unwahrheit zu unterscheiden. Hier läuten bereits meine medienwissenschaftlichen Alarmglocken. So ist es nie möglich, die gesamte Wahrheit zu vermitteln. Nicht einmal im Gerichtssaal ist dies möglich. Im Journalismus helfen Fakten. Diese werden von Menschen geprüft, eingeordnet und aufbereitet.


Facebook will dies nun auch tun. Es wird dem Unternehmen von Mark Zuckerberg aber nicht gelingen. Zwar sind seine Algorithmen schon sehr ausgereift, doch wird es meiner Meinung nach in absehbarer Zukunft nicht möglich sein, die journalistische Leistung in künstliche Intelligenz zu überführen. Dieses Problem kann Facebook weder kurz- noch langfristig lösen.

So bin ich zum Schluss gekommen, dass Facebook keine Zukunft hat – zumindest in meinem Portfolio. Und, dass die Unfähigkeit Informationen zu vermitteln, journalistischen Medien zugute kommen könnte.